
Herausforderungen und Erfolge: Einblicke in die Arbeit einer Betriebsratsvorsitzenden
Im Gespräch: Diane Wolf, Betriebsratsvorsitzende eines Klinikstandorts
Liebe Diane, vielen lieben Dank, dass wir heute etwas mehr über dich und deine Arbeit als Standort-Betriebsratsvorsitzende bei einem renommierten Klinik-Konzern erfahren dürfen. Die Arbeit im Ehrenamt ist nicht immer leicht. Du hast dich dennoch dafür entschieden. Wie lange bist du nun schon im Betriebsrat und wie kam es überhaupt dazu?
Ich habe 2012 meine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin begonnen und bin in dieser Zeit bereits als JAV-Mitglied tätig gewesen. Später habe ich das Amt als JAV-Vorsitzende übernommen und dort bereits eng mit dem damaligen Betriebsrat zusammengearbeitet. Irgendwann kam der Wunsch, mich als Betriebsratsmitglied aufstellen zu lassen. Seit 2018 war ich dann als Betriebsratsmitglied tätig. 2023 habe ich das Amt der Betriebsratsvorsitzenden übernommen.
Gab es einen konkreten Auslöser oder Schlüsselmoment, der dich zu dieser Entscheidung geführt hat?
Durch meine JAV-Zeit konnte ich sehr viele Einblicke in die Betriebsratsarbeit und deren Vielfältigkeit bekommen. Gemeinsam für Mitarbeitende etwas zu erreichen und mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, das hat mir schon immer gefallen. Zudem habe ich in dieser Zeit ein hohes Interesse an Themen aus dem Arbeits- und Betriebsverfassungsrecht entwickelt.
Mit welchen Wünschen/Zielen bist du damals in das Betriebsratsamt gestartet und was davon konntest du bereits umsetzen?
Mein Wunsch war es, die Interessen der Beschäftigten verlässlich und fair zu vertreten, die Mitbestimmung aktiv zu leben und Probleme nicht nur zu benennen, sondern gemeinsam tragbare und konstruktive Lösungen zu entwickeln.
Mir war schon immer wichtig, die Sorgen und Anliegen der Kolleginnen und Kollegen ernst zu nehmen, ihnen zuzuhören und sie mit gezielter Unterstützung zu begleiten.
Als Gremium haben wir davon schon sehr viel erreicht und arbeiten kontinuierlich daran, noch besser zu werden.
Welche Stolpersteine gibt es deiner Erfahrung nach, die euch als Betriebsrat von der Erreichung einiger Ziele abhalten?
Stolpersteine sind aus meiner Sicht vor allem der fehlende Dialog zur Klinikleitung und die nicht rechtzeitige oder fehlende Information zu anstehenden Themen.
Gibt es etwas, was du dir vonseiten des Unternehmens wünschen würdest, um die Arbeit im Betriebsrat etwas zu erleichtern?
Ich würde mir mehr Offenheit und Transparenz wünschen. Eine frühzeitige Information und Einbindung des Betriebsrates in relevante Themen würde unsere Arbeit deutlich erleichtern und dazu beitragen, dass wir gemeinsam und schnell tragfähige Lösungen zu finden.
Habt ihr hierzu Ideen/Lösungsansätze, wie eine bessere Kommunikation bzw. mehr Transparenz erreicht werden könnte?
Ja, aus meiner Sicht gibt es mehrere Ansatzpunkte, um eine Verbesserung herbeizuführen:
- regelmäßiger Austausch mit der Klinikleitung, beispielsweise im Rahmen von Jour fixe-Terminen,
- verlässliche Rückmeldungen und Zeitpläne,
- eine offene Kommunikation, in der konstruktive Kritik, alternative Lösungsvorschläge und Rückfragen erwünscht sind sowie Entscheidungsgrundlagen von Beginn an transparent darlegen.
Gerne wird ein Betriebsrat als „Blümchengießer und Kaffeetrinker“ bezeichnet. Wie ist es bei euch im Unternehmen? Wie groß sind die Akzeptanz und Unterstützung vonseiten der Mitarbeiter? Gibt es da konkrete Beispiele?
Ich habe den Eindruck, dass sich die Akzeptanz des Betriebsrats und das Bild, das man sich von ihm macht, bei uns im Haus bereits deutlich verbessert haben.
Gleichzeitig erlebe ich aber auch, dass viele Kolleginnen und Kollegen noch nicht genau wissen, wie vielfältig und oft auch zeitintensiv unsere Arbeit ist. Da viele Themen im Hintergrund laufen oder sich über einen längeren Zeitraum ziehen, kann schnell der Eindruck entstehen, der Betriebsrat sei nicht aktiv genug.
Hier haben wir selbst gemerkt, wie wichtig es ist, transparenter zu kommunizieren, die Kolleginnen und Kollegen mehr mitzunehmen und auch zu erklären, warum manche Prozesse mehr Zeit benötigen.
Welche Wege nutzt ihr aktuell im Unternehmen, um über den Stand eurer Arbeit im BR zu informieren? Welche Rolle spielen da mittlerweile soziale Medien?
Wir nutzen noch klassisch Aushänge im Haus. An verschiedenen Orten im Haus haben wir Whiteboards. Des Weiteren haben wir begonnen, unsere Intranet-Seite zu gestalten, um dort sämtliche Informationen für unsere Kolleginnen und Kollegen bereitzustellen. Auch die Option von Rundmails im Haus wird von uns gerne genutzt.
Außerdem führen wir jede Woche Hausrunden durch, um den persönlichen Kontakt nicht zu verlieren. Dies kommt bei unseren Mitarbeitern auch sehr gut an und der persönliche Austausch sorgt dafür, dass Informationen direkt und ohne Missverständnisse ankommen.
Über aktuelle Themen informieren wir nun seit einiger Zeit auch im Rahmen eines Newsletters, welcher per Mail an alle Kolleginne und Kollegen verschickt wird.
Neben deiner Arbeit im Betriebsrat bist du auch Mama. Wie gelingt dir die Vereinbarkeit von Beruf und Familie – und ist da die Vollfreistellung in irgendeiner Art eine Hilfe?
Die Vollfreistellung hat für mich den großen Vorteil, dass ich aktuell nicht im Schichtsystem tätig bin, was meinen Alltag mit drei kleinen Kindern deutlich entlastet. Gleichzeitig ist die Arbeit im Betriebsrat alles andere als einfach, sie erfordert hohe Flexibilität und Engagement. Es gibt Tage, an denen ich nicht einfach alles stehen und liegen lassen kann. In solchen Situationen bin ich dankbar für ein starkes familiäres Netzwerk, das auch kurzfristig die Kinderbetreuung übernehmen kann. Außerdem bin ich als Betriebsrätin teilweise auch über meine reguläre Arbeitszeit hinaus Ansprechpartnerin, was ein hohes Verständnis und Unterstützung im privaten Umfeld erfordert.
Das klingt gerade in Richtung Work-Life-Balance sehr herausfordernd. Wie gelingt es dir, hier auch achtsam mit dir selbst umzugehen und ein Burnout zu verhindern?
Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich hier in diesem Jahr sehr an mir arbeiten musste. Noch vor einem Jahr hätte ich diese Frage nicht konkret beantworten können. Besonders durch die Schulungen bei K&K habe ich sehr wertvollen Input bekommen, wie ich eine bessere Work-Life-Balance herstellen kann. Dafür bin ich jedem einzelnen Trainer dankbar, welcher dort aktiv mit mir an diesem Thema gearbeitet hat.
Mittlerweile weiß ich, dass achtsam mit mir umzugehen eine klare Voraussetzung ist, um meine Arbeit langfristig gut erfüllen zu können. Ich habe gelernt, klare Grenzen zu setzen. Ich achte mittlerweile bewusst darauf, nach der Arbeit abzuschalten und auch nicht mehr jederzeit erreichbar zu sein. Ebenso strukturiere ich meine Arbeit nun viel präziser und setze mir realistische Ziele.
Ich habe in diesem Jahr gelernt, dass Burnout-Prävention auch eine Frage der Haltung ist. Ich kann nicht alles sofort verändern und schon gar nicht kontrollieren. Ich kann auch nicht immer sofort alles wissen. Was ich aber kann, ist verantwortungsvoll mit mir umzugehen, um langfristig weiterhin so engagiert für unsere Kolleginnen und Kollegen da zu sein.
Wie sieht ein typischer Tag als vollfreigestellte Betriebsrätin bei euch aus? Welche Aufgaben nehmen den größten Raum ein?
Den größten Raum nehmen bei uns Dienstplanänderungen und Mitarbeitergespräche ein.
Morgens planen wir unsere Aufgaben klar und strukturiert. Es wird festgelegt, wer welche Termine wahrnimmt, wer das Telefon betreut und wer ggf. Zeit für spezielle Aufgaben, wie etwa rechtliche Recherchen benötigt. Auch kurzfristige Abstimmungen mit Kolleginnen und Kollegen sind eingeplant, sodass wir bei akuten Themen sofort reagieren und unterstützen können.
Wir blicken schon mal in Richtung Betriebsratswahl 2026. Welche Aufgaben gibt es aktuell im Betriebsrat, was beschäftigt euch derzeit und welche Projekte möchtet ihr noch vor der Wahl zum Abschluss bringen?
Aktuell bin ich damit beschäftigt, mit meinem Gremium zum Jahresende und mit Blick auf die Wahl eine Art Rückblick zu gestalten, um zu verdeutlichen, was wir alles erreicht haben. Wir haben noch zwei Betriebsvereinbarungen, die wir gern noch vor der Wahl abschließen möchten. Weitere größere Themen nehmen wir in die Arbeitsplanung für 2026 auf, fassen diese jedoch vor der Wahl nicht mehr an.
Wir hören immer wieder, dass es schwer ist, neue Kandidaten für das Amt zu begeistern bzw. auch die Mitarbeiter für die Wahl zu motivieren. Wie läuft das bei euch im Unternehmen? Gibt es da ein paar Tricks, die ihr unseren Lesern mitgeben könnt?
Tatsächlich ist es bei uns auch eher schwierig, neue Kandidaten zu finden. Wir haben jedoch die Erfahrung gemacht, dass der persönliche Kontakt entscheidend ist. In unseren Hausrunden sprechen wir Kolleginnen und Kollegen gezielt an und versuchen, sie für unsere Betriebsratstätigkeit zu begeistern.
Wie sieht es denn bei dir aus? Wirst du dich wieder für das Amt bewerben?
Ja, ich werde mich wieder zur Wahl stellen lassen.
Das ist eine gute Entscheidung. Wir drücken dir von Herzen die Daumen.
Hast du auch schon neue Ziele für die kommenden vier Jahre, falls du im Amt bestätigt wirst?
Mein persönliches Ziel ist es, mein Fachwissen weiter auszubauen und mich in bestimmten Themenbereichen nochmal explizit zu spezialisieren.
Ebenso ist mein großes Ziel, unseren Betriebsrat als verlässliche und kompetente Anlaufstelle für die Kolleginnen und Kollegen zu etablieren.
Welchen Rat würdest du Kolleginnen und Kollegen geben, die neu im Betriebsrat sind?
Traut euch, Verantwortung zu übernehmen, bringt eure Ideen ein und habt keine Scheu, Fragen zu stellen. Geduld mit sich selbst und das kontinuierliche Aneignen von Fachwissen gibt Sicherheit im Amt.
Das ist ein schönes Schlusswort! Wir danken dir für deine Zeit und wünschen weiterhin viel Erfolg im Amt sowie eine gut gelingende Wahl.
Aktuelle Urteile
Spezialwissen BR
Aktuelle Seminarempfehlungen:

1. Thementag 2026: Arbeitsrecht 2026 im Überblick – kompakt, aktuell, praxisnah
Ihr juristisches Update zum Jahresauftakt – Gesetzesänderungen und Urteile für eine starke Betriebsratsarbeit

Arbeitsrecht Teil 2: Arbeitsvertragliche Rechte und Pflichten
Urlaub, Teilzeit, Krankheit – was gilt wirklich? Ihr Update für rechtssichere Antworten im Gremium

Inklusionsvereinbarung erfolgreich gestalten
Ihr Schlüssel zu gelebter Teilhabe – rechtssicher, praxisnah und wirkungsvoll




